Des Wahnsinns fette Beute – BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

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April 19, 2021 von chris
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Der Satyr, eine wichtige Gestalt der antiken Mythologie, begegnet der Lächerlichkeit des Lebens mit einer gewissen Lüsternheit. Bild von David Becker via flickr.com. Lizenz: Creative Commons Dogecoin erreicht einen irrsinnigen Preis, Coinbase geht an die Börse, und die deutschen Finanzunternehmen sehen plötzlich ziemlich klein aus. Die Werte verlieren den Kontakt zur Wirklichkeit. Wie lange kann
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Der Satyr, eine wichtige Gestalt der antiken Mythologie, begegnet der Lächerlichkeit des Lebens mit einer gewissen Lüsternheit. Bild von David Becker via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Dogecoin erreicht einen irrsinnigen Preis, Coinbase geht an die Börse, und die deutschen Finanzunternehmen sehen plötzlich ziemlich klein aus. Die Werte verlieren den Kontakt zur Wirklichkeit. Wie lange kann das noch so weitergehen?

Jeder Bullenmarkt strebt unvermeidbar auf seine Spitze zu – auf einen Punkt, an dem der Wahnsinn überhand nimmt, an dem die Märkte Preise erreichen, die rational nicht mehr zu erklären sind. An diesem Punkt stehen die Kurse dann für einen Moment, wie eine Comicfigur in freier Luft – um dann einzustürzen und den Bärenmarkt einzuläuten.

Wann dieser Punkt erreicht ist, ist eine schwierige Frage. Wäre sie einfach, würde es gar nicht so weit kommen.

Ein Indikator dafür, dass der Markt sich dieser Spitze nähert, könnte im Wahnsinn liegen: im Maß der Verrücktheit der Märkte. Und was das angeht, hat sich der Krypto-Markt vergangene Woche selbst übertroffen. Und zwar auf eine so spektakuläre Weise, dass er damit die Nichtigkeit aller Werte offenlegt.

Einige Ereignisse repräsentieren das stärker als alles andere.

Coinbase an der Börse

Zum ersten ging letzte Woche die US-Börse Coinbase an die Börse. Die Aktienausgabe wurde zum mit Abstand größten Börsengang der Krypto-Welt; gemessen an der Marktkapitalisierung ist Coinbase größer als fast alle Banken Europas und wird zu einem der Top-30-Finanzunternehmen der Welt.

Ein paar Zahlen dazu:

Coinbase-CEO Brian Armstrong verkaufte prompt Aktien im Wert von knapp 300 Millionen Dollar – was aber gerade mal 1,5 Prozent seiner Anteile entspricht. Damit wurde Armstrong über Nacht zum vielfachen Milliardär.

Börsenkurs von Coinbase. Quelle: Finanzen.net

Derzeit kostet eine Coinbase-Aktie rund 280 Euro; kurz nach der Ausgabe waren es zeitweise mehr als 330 Euro. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt fast 57 Milliarden Euro, das bisherige Hoch lag bei etwa 67 Milliarden Euro. Damit wäre Coinbase eines der zehn größten Unternehmen in Deutschland – beinah so viel wert wie BMW und mehr als Adidas.

Die Allianz-Versicherung als wertvollstes deutsches Finanzunternehmen ist mit einer Marktkapitalisierung von 90 Milliarden Euro noch wertvoller, während die Deutsche Börse mit 28 Milliarden und die Deutsche Bank mit 21 Milliarden zusammen viel weniger wert sind als Coinbase.

Es ist nicht so, als wäre Coinbase ein kleines Unternehmen. Aber es ist eben eine von ziemlich vielen Krypto-Börsen, und auch noch eine, die sich vor allem auf den US-Markt konzentriert. Mit vier Milliarden Dollar verzeichnete Coinbase gestern nicht einmal zwei Prozent des gesamten von Coinmarketcap notierten Handelsvolumens. Selbst wenn man davon ausgeht, dass ein großer Teil dieses Volumens gefaked ist, sahnt Coinbase nur einen kleinen Teil der Gewinne ab. Die Börsen Binance, OKEx und Huobi stemmen ein deutlich höheres tägliches Handelsvolumen, Bitfinex, Kraken, Bithumb und einige andere sind gleichauf oder nur knapp unter dem von Coinbase.

Stecken in den Kryptomärkten also noch einige weitere 60-Milliarden-Euro-Unternehmen?

Die wertvollsten Unternehmen Deutschlands. Quelle: Finanzen100.de

Die Börsenbewertung von Coinbase ergibt vielleicht Sinn, wenn man Umsatz und Gewinn des Unternehmens anschaut – derzeit. In einem Bullenmarkt, wie wir ihn seit gut einem halben Jahr haben, vor allem in den letzten Monaten, macht jede Kryptobörse glänzende Gewinne. Ganz besonders Coinbase als Marktführer in den USA.

Dennoch scheint eine Marktbewertung von beinah 60 Milliarden Euro ziemlich viel für eine einzelne Börse. Der Bullenmarkt kann nicht ewig andauern, und es wird eine Zeit kommen, in der die Profite von Coinbase sehr viel geringer sein werden. Am Ende, bei Tag betrachtet, fokussiert sich Coinbase doch auf einen sehr viel kleineren Ausschnitt des Finanzwesens als etwa die Deutsche Börse, und hat viel weniger Kunden als etwa die Deutsche Bank.

Die Märkte müssen das wissen. Sinn ergibt die Bewertung von Coinbase daher nur, wenn man von der Zukunft ausgeht: von einer Zukunft, in der Coinbase eine der größten Banken der Welt ist. Oder, anders gesagt: einer Zukunft, in der der derzeitige Bullenmarkt nur der Auftakt zu etwas noch viel größerem gewesen ist.

Und damit kommen wir zur zweiten mächtigen Beute des Wahnsinns.

Such Profit, Much Wow!

Viele unter euch dürften Dogecoin kennen: Eine der wenigen Kryptowährungen aus dem Jahr 2013 oder 2014, die bis heute irgendwie relevant geblieben sind.

Dogecoin ist ein „Memecoin“, eine Kryptowährung, die an sich gar nicht den Anspruch hat, ernstgenommen zu werden. Technisch ist Dogecoin eine triviale Fork von Litecoin, in Sachen Memes glänzt der Coin durch den Doge sowie Memes nach dem Schema „much wow, such profit“.

Der Doge, namensgebender Meme-Hund von Dogecoin.

Dogecoin ist nie ganz verschwunden, aber ziemlich tief im Ranking der Kryptowährungen herabgesackt. 2016 und 2017 war ein Doge gerade mal 0,02 Dollar-Cent wert, in Bitcoin meistens 20-30 Satoshi, mit Ausreissern auf etwa 80 Satoshi, um noch Ende 2020 weniger als 20 Satoshi wert zu sein.

Im Februar schoss Doge jedoch auf mehr als 100 Satoshi. Das war aber nur der Anfang. Die letzte Woche katapultierte den Coin auf rund 700 Satoshi, womit er im Ranking der Kryptowährungen auf dem fünften Platz angekommen ist.

Man muss erst mal verdauen, wie astronomisch die Gewinne sind. Allein in Bitcoin 3500 Prozent. Wer im Dezember einen Bitcoin in Doge investiert hat, hat nun 35 Bitcoins; wer 2017 für 500 Dollar 2.500.000 Doge gekauft hat, kann sie heute für 1.000.000 Dollar verkaufen.

Die einen buckeln und knausern ein Leben lang, um niemals Millionär zu werden – und die anderen haben vor ein paar Jahren für ein paar hundert Dollar Dogecoin gekauft. „Such rise, much profit, wow!“

Der Dollarchart von Dogecoin ist nur logarithmisch skaliert darstellbar. Quelle: coinmarketcap

Ja, das ist Wahninn. Aber gibt es einen Grund, der rational ist? Und sei es nur irgendwie und vage?

Ein Grund wäre das Goldhändchen von Elon Musk. Der Tesla-Boss twittert schon länger darüber, dass Dogecoin seine Lieblingswährung ist, vermutlich, weil der vielfache Milliardär und wohl reichster Mann der Welt ein eher spassbehaftetes Verhältnis zu Kryptowährungen hat und die Macht von Memes kennt. Dogecoin ist für ihn wohl der Inbegriff der Lächerlichkeit des Geldes. Doch zugleich wird eben alles, worüber Musk twittert, zu Gold. Das ist die Gravitation des Reichtums.

Ein zweiter Grund dürfte im Reddit-Forum /r/wallstreetbets liegen (WSB). Dieses Forum war vor allem dafür verantwortlich, dass eine Runde von Kleinanlegern im GameStop-Skandal einigen Hedgefonds eine blutige Nase verpasste. Seitdem steht es für den Aufstand, den der Schwarm der Kleinen gegen die Großen an der Börse proben. Nicht Sozialismus, sondern Kapitalismus und Marktabsprachen bringen die Revolution.

Eigentlich war die Diskussion von Kryptowährungen im Forum verboten. Doch am Mittwoch, einen Tag vor dem Coinbase-Börsengang, entschieden die Moeratoren, dass Diskussionen über drei Kryptowährungen erlaubt sind: Bitcoin, Ethereum und – ihr ahnt es: Dogecoin. Die Community drehte frei, weshalb die Mods schon einen Tag später Kryptothemen erneut verboten haben. Doch der Geist war aus der Flasche: die WSB-Community hatte sich schon auf Dogecoin eingeschossen, und das Diskussionsverbot heizte sie nur noch mehr auf.

So kam es also, dass eine Kryptowährung, die technisch vollkommen langweilig ist und die keiner für ernsthafte Transaktionen benutzt – dass eine solche Kryptowährung eine Marktkapitalisierung von mehr als 50 Milliarden Dollar aufbringt. Das ist fast so viel wie die größte Krypto-Börse der USA und mehr als doppelt so viel wie die Deutsche Bank.

Das ist Wahnsinn, und das ist lächerlich. Aber ich bin ziemlich sicher, dass darin eine wichtige Botschaft über den Wert aller Dinge liegt – eine Botschaft, die wir vielleicht lieber gar nicht hören wollen.

Die Lächerlichkeit aller Werte

Lasst uns das alles zusammenfassen: Eine Krypto-Börse, die rund zwei Prozent des gesamten Handelsvolumens macht, ist mehr wert als die Deutsche Bank und Deutsche Börse zusammen, und eine Kryptowährung, die weder technisch interessant ist noch ernsthaft benutzt wird – und auch nicht diesen Anspruch hat – ist fast genauso viel wert.

Werte sind lächerlich. Sie haben den Kontakt mit der Wirklichkeit verloren und sind eine reine Illusion. Die Coinbase-IPO führt das auf eine bierernste Weise vor, Dogecoin äfft dies spottend nach.

Das ganze kann natürlich so weitergehen. Wenn Dogecoin 50 Milliarden Dollar wert ist – warum sollte Bitcoin nicht zwei, drei, vier oder zehn Billionen erreichen? Der Wille kann zwar keine Berge versetzen, sehr wohl aber viele Milliarden. Was hindert Ethereum daran, ein Billionen-Dollar-Coin zu werden? Was hält den Willen eines verrückt gewordenen Schwarms auf, wenn er beschließt, Tezos, Bitcoin SV, Cosmos, Avalanche oder Kusama – um nur ein paar Beispiele zu nennen – zum Top-10-Coin zu machen?

Zugleich aber erreicht alles seinen Höhepunkt. Auf den Rausch folgt die Ernüchterung, auf die Manie die Depression, auf die Illusion die Erkenntnis, und auf das Gelächter die Trauer. Was der Markt geben kann, kann er auch wieder nehmen, und je mehr er geben kann, desto mehr kann er nehmen.



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