Hätten die Kämmerer doch nur Bitcoin gekauft – BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

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März 25, 2021 von chris
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Was die Geldpolitik der EZB aus den einst blühenden Wiesen der Geldanlagen gemacht hat … Bild von Rob Oo via flickr.com. Lizenz: Creative Commons Rund eine halbe Milliarde Euro haben deutsche Kommunen und Landkreise in der nun insolventen Greensill-Bank versenkt. Der Fall zeigt auf so vielen Ebenen, warum die Welt unbedingt Bitcoin und Dezentrale Finanzen
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Was die Geldpolitik der EZB aus den einst blühenden Wiesen der Geldanlagen gemacht hat … Bild von Rob Oo via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Rund eine halbe Milliarde Euro haben deutsche Kommunen und Landkreise in der nun insolventen Greensill-Bank versenkt. Der Fall zeigt auf so vielen Ebenen, warum die Welt unbedingt Bitcoin und Dezentrale Finanzen (DeFi) braucht – und wie krank das Finanzsystem wirklich ist.

Und wir haben wieder einen Bankenskandal: Die britisch-australische Greensill ging pleite, und eine ihrer Töchter in Bremen mit ihr.

Deutsche Anleger haben wohl rund drei Milliarden in die Fest- oder Tagesgeldkonten der Bank investiert. Voraussichtlich werden sie durch die Einlagensicherung entschädigt. Die Kommunen und Landkreise dagegen werden auf ihren Verlusten sitzenbleiben. Schätzungen zufolge haben sie rund eine halbe Milliarde Euro in dem Institut versenkt – ein Betrag, der im von Corona ohnehin gebeutelten Budget von Städten und Kreisen fehlen wird.

Der Fall zeigt nicht nur ein, sondern gleich mehrere Probleme des Finanzsystems.

Die Verwüstungen durch die Geldpolitik

Erstens hat die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Privatanleger und Kämmerer geradezu gezwungen, für an sich mickrige Zinsen große Risiken einzugehen. Was meinen sie, wie hoch die Zinsen waren, die, O-Ton Tagesschau „bei Anlageberatern deutscher Sparkassen, Volksbanken oder auch den Großen der Branche nur Schnapp-Atmung hervorriefen“?

Na? Aufgepasst: Es waren etwa … sagenhafte 0,6 Prozent! Im Falle des sächsischen Erzgebirgskreises auch nur 0,15 Prozent. Löst das Schnappatmung bei Ihnen aus? Ja? Vermutlich, weil es so wenig ist. Dafür entsperrt man doch nicht einmal die Wallet, oder?

Für die Kommunen war der Leidensdruck durch die niedrigen Zinsen aber offenbar enorm. So erklärt etwa die hessische Gemeinde Schwalbach, die 19 Millionen Euro in Greensill versenkt hat, man habe durch die Anlage 1.500 Euro am Tag gespart, die man ansonsten als negative Zinsen auf dem Bankkonto bezahlt hätte. Ähnlich argumentiert Eschborn, ebenfalls in Hessen. Vermutlich dürfte es allen Kämmerern so ergehen: Sie legen Geld auf ein Konto, das für wichtige Projekte reserviert ist, und müssen dann zuschauen, wie es schmilzt. Nicht nur, weil die expansive Geldpolitik der EZB die Inflation antreibt, sondern auch, weil die Banken nicht mehr anders können, als Konten mit negativen Zinsen zu belasten.

Greensill war KEINE gute Anlage. Die Zinsen lagen deutlich unter der Inflationsrate. Dass die Herren der öffentlichen Finanzen für ein so schlechtes Investment so große Risiken auf sich nehmen, zeigt deutlicher als alles andere, in was für einer katastrophalen Verfassung des Geldwesen ist. Während einst die Faustregel galt, dass ausreichend großes Kapital weitgehend risikofrei fünf Prozent Rendite erwirtschaftet, sind heute 0,5 Prozent nur noch durch hohe Risiken zu erhalten.

Wo aber fließen die gut 1000 Milliarden Euro hin, mit denen EZB im Lauf des vergangenen Jahres die Märkte geflutet hat? Weshalb stieg die Geldmenge 2020 um gut 10 Prozent, doch schon Zinsen von 0,5 Prozent sind riskant? Müsste Geld nicht risikofrei verfügbar sein? Was läuft hier schief? Ist das der berüchtigte Cantillon-Effekt, oder die seit langem beklagte Fehlallokation von Ressourcen durch inflationäre Geldschöpfung? Und weshalb fragt niemand nach den geldpolitischen Ursachen des Falles?

Vielleicht gibt es logische Erklärungen. Aber selbst diese können nicht wegdeuteln, dass hier etwas extrem kaputt ist. Aber dies war nur die wichtigste Ingredienz für die Verluste der Kommunen.

Die Einlagensicherung stampft alle Unterschiede ein

Zweitens zeigt die Insolvenz das Problem mit der Einlagensicherung. Wer sein Geld bei der Bank anlegt – als Sparbuch, Festgeld-, Geldmarkt- oder Tagesgeldkonto – bekommt zwar wenig Zinsen, aber dafür die Sicherheit, dass im Fall des Falles die gesetzliche Einlagensicherung greift. Ein solches Instrument macht natürlich Sinn, um Anleger zu schützen und Vertrauen zu schaffen. Aber es fordert auch seinen Preis.

Wenn das Risiko Null ist, unterscheiden sich diese Finanzprodukte allein durch den Zins. Die Einlagensicherung stampft die Unterschiede auf das Niveau ein, das man von Benzin kennt: Alles gleich, bis auf eine Zahl. Dies macht es geradezu unvermeidbar, dass hohe Risiken verhüllt und zu niedrigen Zinssätzen verkauft werden, und die Einlagensicherung die Zeche bezahlt, wenn es schief geht.

Die Einlagensicherung in Deutschland wird gesetzlich gewährt durch das Einlagensicherungsgesetz. Dieses verpflichtet Bankinstitute, einen Teil ihrer Einlagen an spezielle Institute abzugeben, in der Regel die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB). Diese soll laut Richtlinie bis Mitte 2024 mit 0,8 Prozent der Einlagen ausgestattet sein. Sobald die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) den Entschädigungsfall feststellen, muss dieses System den Anlegern binnen einer Woche ihre durch eine Insolvenz verlorenen Anlagen bis zu 100.000 Euro auszahlen. Darüber hinaus gibt es eine freiwillige Einlagensicherung durch den Bundesverband deutscher Banken. Diese gewährleistet, wenn die Mittel vorhanden sind, auch eine Einlagensicherung über 100.000 Euro hinaus.

Im Falle der Greensill-Pleite greift dieses Mittel offenbar, so dass private Sparer auch mit höheren Einlagen wohl keine Verluste erleiden werden. Damit dürfen sich Anleger weiterhin in einer Mentalität suhlen, die Risiko nur als Brettspiel kennt, und gedankenlos ihr Geld der Bank geben, die die höchsten bzw. am wenigsten tiefen Zinsen verspricht. Warum sollten sie es auch anders machen? Auf Zinsen zu verzichten, weil es Risiken gibt, die durch die Einlagensicherung blockiert werden, wäre irrational.

Die Einlagensicherung verschärft damit die Problematik der Niedrigzinspolitik. Sie setzt systemische Anreize für schwarze Schafe, und sorgt dafür, dass deren Opfer schadlos bleiben. Perfekte Voraussetzungen dafür, dass sich das Drama wiederholt. Die Anreize sind wasserdicht.

Inkompetente Kämmerer

Drittens offenbart der Fall Greensill eine erhebliche Fehlallokation von Finanzmitteln in inkompetente Hände. Anders wäre Ausmaß und Streuung der öffentlichen Investitionen in Greensill nicht zu erklären.

Denn die Einlagensicherung haftet nur für private Sparer. Öffentliche Einrichtungen sind seit 2017 ausgenommen. Wenn die Städte über den Klageweg noch etwas herausholen können, dann einen kleinen Anteil der Investition. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Totalausfall.

Dieses Risiko war offenbar vielen Kämmerern nicht bewusst. Ansonsten würde ihr Anlegen noch viel weniger Sinn ergeben: Wer investiert Millionenbeträge des öffentlichen Eigentums in grottig verzinste Festgeldkonten, ohne das Geschäftsmodell des dahinterstehenden Anbieters einzuschätzen – wenn es noch nicht mal eine Einlagensicherung gibt? Das Verhältnis von Risiko und Ertrag ist unterirdisch.

Bötzingen, eine Gemeinde im Schwarzwald, hat mit 13,2 Millionen Euro gleich 40 Prozent seiner Finanzanlagen in Greensill gesteckt. Die städtische Bühne in Köln hat 15 Millionen Euro, die für dringende Sanierungsarbeiten vorgesehen waren, verloren. Und, um ein letztes Beispiel zu nennen: In der Stadt Garben, in Niedersachsen, kostete der Fall die Stadtentwässerung 8,5 Millionen Euro. In allen diesen Fällen handelt es sich um Geld, das man nicht leichtfertig investiert.

Die Breite der Schäden durch Greensill verdeutlicht, dass es vielen Verwaltern der öffentlichen Finanzen an Fachwissen zu … nun ja: Finanzen mangelt. Allerdings sollte man ihnen dies nicht zum Vorwurf machen: Sie wurden vom System der Einlagensicherung geprägt, und stehen gleichzeitig durch die Geldpolitik der EZB unter Druck.

Portale leiten durch toxische Anreize

Viertens wären da die Zinsplattformen. Dies sind Plattformen, die die Zinangebote für Fest- oder Tagesgeld auflisten und Anleger meist gegen eine geringe Provision weiterleiten.

Diese Plattformen sollen nun wegen des Greensill-Falles reguliert werden. Zumindest möchte sich der Finanzausschuss des Bundestags kommende Woche damit beschäftigen. Die Politiker beklagen die mangelnde Transparenz der Plattformen sowie die Tatsache, dass dort effektiv Wetten auf die Einlagensicherung gehandelt werden.

Inwieweit eine Regulierung verhindern soll, dass Zinsplattformen auf zinsstarke – wenn man das so sagen will – Angebote verweist, ohne die Risiken zu prüfen, die für ihre maßgeblichen Kunden – private Anleger – gar nicht existieren, bleibt natürlich im Dunklen. Mehr noch als die Kämmerer sind die Zinsplattformen eine Kreatur der Umstände: Wenn die Hausbank Zinsen um die 0,05 Prozent anbietet – falls man nicht draufzahlen muss – schauen sich Kunden eben nach attraktiveren Zinsen an; und wenn das Gesetz vorschreibt, dass Tages- oder Festgeldkonten risikofrei sein müssen, gibt es keinen Grund, weshalb eine Plattform ernsthaft Transparenz schaffen muss. Wofür denn?

Die Einlagensicherung stampft jeden Unterschied außer den Zinsen ein. Es ist für die User von Zinsplattformen Zeitverschwendung, sich über die dort angebotenen Produkte zu informieren, und es wäre für sie irrational, irgendeinen anderen Faktor als den Zins auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

Natürlich wäre es dennoch schön, wenn die Plattformen transparenter wären. Vielleicht wäre der eine oder andere Kämmerer oder Privatanleger aufmerksam geworden, wenn er mehr über das Produkt erfahren hätte. Vielleicht aber auch nicht – es gibt ja die Einlagensicherung.

Oh hätten sie doch nur … !

Wir haben also einen Finanzkomplex, der systematisch Anreize produziert, welche Risiken hervorbringen. Der Fall Greensill ist nicht der Ausreisser, sondern die Kreatur dieses Komplexes. Angesichts dieses Systems mit dem Finger auf Bitcoin und Kryptowährungen zu zeigen, und zu beklagen, dass diese so riskant sind, ist absurd.

Daher nehmen wir zum Schluss noch an, dass die Kämmerer von Bitcoin und Krypto gewusst hätten. Wie wäre die Geschichte dann ausgegangen?

Zunächst hätten die Kämmerer im Lauf des Jahres 2020 in Bitcoins investieren können. Das Verhältnis von Risiko und Ertrag war um Welten besser, und man musste nicht in die Zukunft sehen können, um das zu wissen:

  • Bei Greensill vertrauten die Kämmerer das Geld ihrer Kommune irgendeiner Bank in Bremen an, die wiederum von einem britisch-australischen Finanzdienstleister abhing, dessen Geschäftsmodell sie vermutlich nicht verstehen. Wir haben also mehrere Mittelsmänner, die jeweils ein Risiko einführen. Bei Bitcoin dagegen können sie die Coins selbst verwalten, ohne dass sich ein Mittelsmann dazwischen stellt, der das Geld einbehält, wenn sein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Das wesentliche Finanzmodell, das es zu verstehen gab, war just das, das sie bereits in die Anlagen trieb – die Geldpolitik der EZB. Ein Totalausfall ist zudem so gut wie unmöglich.
  • Bei Greensill erhielten die Kämmerer Zinssätze von 0,1-0,6 Prozent. Angesichts der Risiken ist das ein lächerlicher Ertrag. Hätten sie in Bitcoin investiert, hätten sie ihren Einsatz um das drei- bis zehnfache gesteigert, je nachdem, wann im Jahr 2020 sie investiert hätten. Selbst im schlechtesten Fall hätte Bitcoin 500x so viel Ertrag gebracht wie Greensill – und das bei geringeren Risiken.

Jede Gemeinde, die in Bitcoin anstatt Greensill investiert hätte, würde nun nicht vor dem Problem stehen, wie sie die Lücken füllt, die die Pleite der Bank hinterlassen hatte – sondern was sie mit dem vielen Geld macht, das sie plötzlich besitzt.

Aber natürlich ist Bitcoin ein Investment, vielleicht eher wie eine Aktie als wie eine verzinste Anlage. Eine näher am Tagesgeld liegende Alternative wäre ein DeFi-Investment gewesen: Die Kämmerer hätten Euro- oder Dollartoken kaufen und diese per DeFi verleihen können, etwa durch Compound oder UniSwap.

In diesem Fall hätten sie vermutlich Zinsen von im schlechtesten Fall einem und im besten Fall 20 Prozent bekommen. Also zwischen etwa 2 und 200 mal so viel wie bei Greensill. Wie bei Bitcoin hätten sie die vollständige Kontrolle über die Schlüssel und damit das Geld gehabt, und ein Ausfall der Darlehen wäre aufgrund der starken Kollateralisierung gar nicht möglich gewesen. Das einzige Risiko wäre der Ausfall des Stablecoin-Providers gewesen, was aber zumindest in einem Bullenmarkt äußerst unwahrscheinlich ist.

Kurzum und abschließend: Es ist kaum zu fassen, wie groß die Unterschiede zwischen Krypto und dem etablierten Finanzwesen sind. Man kann nur hoffen, dass Kämmerer und Privatanleger aus der Greensill-Pleite zumindest die Lehre ziehen, sich besser über Kryptowährungen und Blockchain zu informieren, anstatt sich in Vorurteilen zu wiegen, die nun nicht zum ersten Mal widerlegt wurden.



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